Aktuelles

WEICHE beteiligt sich an den Frauentagen 2020 in Eichstätt

Im Rahmen der Frauentage 2020 zeigt die WEICHE am 08.03.2020 um 17 Uhr im Filmstudio im Alten Stadttheater in Eichstätt den Kurzfilm "Close to Nothing at all".

Im Anschluss an den Film (Dauer: ca. 20 Minuten) stehen die Regisseurin sowie die Mitarbeiterinnen der Weiche, Fachstelle gegen sexuelle Gewalt im Landkreis Eichstätt, für Gespräche und Diskussionen zum Thema bereit.

Der Film ist in englischer Sprache mit deutschem Untertitel.

Der Eintritt ist frei! Die WEICHE freut sich auf Ihr Kommen!

Kurzinhalt: Der Kurzfilm richtet den Blick auf eine junge irische Frau, deren Leben sich nach einem sexuellen Übergriff durch ihren Partner, plötzlich komplett verändert. Konfrontiert mit einer ungewollten Schwangerschaft und der traumatischen Erfahrung des Übergriffs, muss sie sich nicht nur der Ungläubigkeit ihres Umfeldes an das Geschehene entgegenstellen. Das Schamgefühl das damit einhergeht über den Vorfall zu sprechen, die fehlende Unterstützung ihrer Familie und konfrontiert mit einem Leben, das sie nie haben wollte, zwingen sie dazu, die Prioritäten in ihrem Leben zu überdenken.

WEICHE und Jugendsozialarbeiterinnen beteiligen sich am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen"

Alljährlich am 25.11. soll mit dem internationalen Gedenk- und Aktionstag das öffentliche Interesse auf die Gewalt gegen Frauen gelenkt und Strategien zur Bekämpfung aufgezeigt werden. Es geht um klare Ziele und eine klare Position: Ein deutliches Nein zu Gewalt an Frauen, Verurteilung jeglicher Gewalt gegen Frauen und die Einhaltung der Menschenrechte. Anlässlich dieses Tages boten die Jugendsozialarbeiterinnen in Lenting und Beilngries präventive Aktionen an. Die WEICHE – die Fachstelle gegen sexuelle Gewalt im Landkreis Eichstätt machte, sowohl im DLZ Lenting, als auch im Landratsamt Eichstätt, mit einem Aktionsstand aufmerksam auf Gewalt gegen Frauen. Dieser informierte vor allem über sexuelle Gewalt, denn Sexuelle Gewalt findet statt. Überall. Jeden Tag.

  • jede 3. Frau in Deutschland ist von körperlicher und / oder sexueller Gewalt betroffen
  • 25 % aller Frauen erleben körperliche und / oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft
  • 2 von 3 Frauen erleben sexuelle Belästigung. Und was vielen nicht bekannt ist
  • 80 % der Frauen und Kinder, die Opfer sexueller Gewalt wurden, kannten den Täter

Die Betroffenen leiden ein Leben lang an den Folgen der Gewalt, wie innere Leere, Scham, Hilflosigkeit, Angst, Panik, Schlaflosigkeit, Schuldgefühle, sowie Traumata. Allzu oft „verstecken" sich diese Betroffenen aus Scham und Angst und fühlen sich schuldig. Denn Täter haben die Betroffene bereits durch gezielte Manipulation verunsichert. Sie erschleichen sich langsam das Vertrauen und können nahezu überzeugt davon sein, dass sich das Opfer nicht wehrt.

Kampf der Gewalt durch „Selbstbehauptung" an der Mittelschule Lenting

Die Mittelschule Lenting bot in Zusammenarbeit mit „Respekt Training" für Schülerinnen der Klassen 5 (25 Mädchen) und 8 (17 Mädchen) ein Selbstbehauptungs-Schnuppertraining an. Schulung der sozialen Kompetenz, Selbstverteidigung, sowie Konfliktlösung ohne Gewalt waren die „Lerninhalte". Das Training fand im Rahmen des Sportunterrichts am Montag, 25.11.2019 in der Turnhalle Lenting statt. Die Teilnahme war kostenlos. Es handelte sich um ein Angebot im Rahmen des Sozialen Lernens um z. B. Mobbing aktiv entgegenzutreten und wurde organisiert von Kerstin Gillessen und Döne Utku, Jugendsozialarbeiterinnen, Kreisjugendring Eichstätt.

NEIN zu Gewalt an Frauen! An der Mittelschule Beilngries

Thematisch passend zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen beschäftigten sich die Mädchen der 7. Klassen der Mittelschule Beilngries gemeinsam mit der Schulsozialarbeit mit dem Thema „Leben ohne Gewalt". In zwei Schulstunden wurde den jungen Frauen theoretischer Input bezüglich der Rechte von Frauen im 20. Jahrhundert gegeben. im Vordergrund der zwei Schulstunden stand jedoch der Begriff „Selbstbewusstsein". Gemeinsam wurde der Begriff definiert, die eigenen Stärken und Schwächen erörtert und thematisch passende Fallbeispiele analysiert. In einem zweiten, aktiven Teil sollen Übungen folgen, in dem die Schülerinnen in der Wahrnehmung der eigenen Person und ihren persönlichen Grenzen geschult werden und lernen, diese Grenze auch sichtbar zu vertreten. Botschaft dieser Aktion soll sein, junge Frauen auf ihre Rechte aufmerksam zu machen und zu einem gleichberechtigten und selbstbestimmten Leben zu motivieren. Dies wurde organisiert von Monika Schuhmann und Milena Schott, Jugendsozialarbeiterinnen, Kolping Bildungswerk.

Psychosoziale Prozessbegleitung

Seit 2017 haben verletzte Zeuginnen und Zeugen einer Straftat die Möglichkeit, Psychosoziale Prozessbegleitung in Anspruch zu nehmen.

Ziel der Psychosozialen Prozessbegleitung ist die qualifizierte Betreuung, Information, Begleitung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen während des gesamten Ermittlungs- und Strafverfahrens.

Näheres unter: Angebote/ Prozessbegleitung

Umzug

Die Weiche ist hausintern umgezogen. Sie befindet sich ab sofort im Erdgeschoss Zimmer E.027.

Bericht zu unserer Jubiläumsveranstaltung am 28. März

Den Gleiswechsel möglich machen

Text und Bild von Anne Gülich

Seit drei Jahren gibt es die Beratungsstelle WEIche, Fachstelle gegen sexuelle Gewalt, im Landkreis Eichstätt. Aus diesem Anlass trafen sich am Donnerstag regionale und überregionale Netzwerk- und Kooperationspartner im Dienstleistungszentrum in Lenting. Auf dem Programm standen Austausch, das Kennenlernen der Arbeit der WEIche und der Vortrag „Traumatisierte Menschen verstehen und unterstützen" des Erlanger Psychiaters und Traumatherapeuten Tilman Rentel.

Das Logo der Beratungsstelle ist eine Weiche, die Gleise von einer zu zwei Spuren führt - mit einem groß geschriebenen EI als Verbindung zum Landkreis Eichstätt in der Mitte. „Wir wollen Menschen mit ihrer Geschichte begleiten und ermutigen, mit und trotz ihrer erlittenen Erfahrungen einen neuen Lebensweg zu finden und neue Weichen zu stellen", fasste Psychologin und Weiche-Mitarbeiterin Angelika Söder das Ziel der Fachstelle zusammen. Eine Aufgabe sei die Beratung von betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie von Angehörigen und Bezugspersonen. Außerdem biete die WEIche Fortbildungs- und Präventionsangebote an. „Das Wissen um die Dynamik bei Missbrauch ist Basis der Arbeit. Sexueller Missbrauch ist immer Vertrauensmissbrauch, die Täter gehen strategisch vor, so wird die Wahrnehmung der Betroffenen vernebelt und das sich jemand anders anvertrauen wir dadurch extrem schwierig", erläuterte Söder.

Landrat Anton Knapp hob in seinem Grußwort hervor, dass - obwohl das öffentliche Interesse stark zugenommen habe - eine weitere Sensibilisierung und eine Entstigmatisierung der Betroffenen dringend notwendig sei. „Die Fachstelle leistet hierzu einen großen Beitrag - sowie auch zur Prävention", so der Landrat. Das Ziel sei immer noch – wie schon bei der Gründung vor drei Jahren: Kein Raum für Missbrauch im Landkreis Eichstätt. Dass das Angebot angenommen werde, könne man schon an der Erweiterung des Personals sehen. Waren es bei der Gründung 2016 noch zwei Mitarbeiterinnen, arbeiten heute schon vier (darunter eine männliche Fachkraft) in der WEIche.

Die rund 80 Gäste erlebten einen höchst informativen und kurzweiligen Vortrag des Erlanger Facharztes für Psychiatrie, Psycho- und Traumatherapie, Tilman Rentel, der zum Thema „Traumatisierte Menschen verstehen und unterstützen" referierte und durch eine Gesangseinlage und kurze Austausch-Runden über die schönen Dinge des Lebens aktiv Gegengewichte zum belastenden Thema setzte. Diese „Stabilisierung der Ressourcenseite" ist laut Rentel auch eine Hauptgrundlage für seine Arbeit mit traumatisierten Menschen.

Der Erlanger Arzt erklärte den Begriff „Trauma" als Erleben von Bedrohung, Todesangst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Schutzlosigkeit und Verletzung und unterschied zwei Kategorien von traumatisierenden Ereignissen: Naturkatastrophen wie Erdbeben, Unfälle, Erbeben, Überschwemmungen und auch Krankheiten einerseits sowie „von Menschen gemachte" wie sexuelle Gewalt, schwere Vernachlässigung, emotionale Gewalt, plötzlicher Verlust vertrauter Menschen und sozialer Sicherheit andererseits. Rentel betonte: „Auch Zeuge von schrecklichen Ereignissen sein zu müssen, kann traumatisieren."

Bei Kategorie eins, den Naturereignissen, fänden Säugetiere wie der Mensch normalerweise Trost und Schutz bei anderen Säugetieren, bei Kategorie zwei, den Gewalttaten anderer Menschen, hätten sie erfahren müssen: unsere Art ist gefährlich! Lieber vertraue man sich daher keinem anderen Säugetier mehr an, „oder wenn, dann dem Pferd, dem Hund oder dem Kaninchen", so Rentel. Angesichts der Tatsache, dass oft gar nicht das Ereignis selbst das Schlimmste sei, sondern das Nicht-aufgefangen-werden vom sozialen Umfeld, sei das besonders fatal.

Der Psychotherapeut nannte Zahlen: 2016 habe es über 12.000 Ermittlungen und Strafverfahren nur für sexuellen Kindesmissbrauch gegeben, jeder 7. bis 8. in Deutschland sei betroffen, zu 75 Prozent Mädchen. 80-90 Prozent der Täter seien Männer und männliche Jugendliche. Rund ein Viertel der Missbrauchsfälle finden in der engsten Familie statt

Rentel erklärte eindrücklich die Überlebensstrategien der Opfer und die Grundlagen einer Behandlung: Sicherheit, Fürsorge, Interesse, Empathie, heilsame Beziehungen und – wie mit den Zuhörern selbst ausprobiert -die Stärkung der Ressourcenseite.

Anna Karg und Udo Schwager von der WEIche stellten das neue, sich im Aufbau befindliche Angebot der Fachstelle vor: Beratung und Intervention für sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Es beinhalte sowohl ein Training mit dem Jugendlichen als auch die Begleitung der Eltern und des Umfelds, erläuterte Schwager. Karg fügte hinzu: „Das verstehen wir als aktiven Opferschutz, da durch die frühzeitige Arbeit mit Übergriffigen weitere potentielle Opfer verhindert werden können. Studien belegen, dass erwachsene Sexualstraftäter häufig bereits im Jugendalter übergriffiges Verhalten gezeigt haben."

Das Bild zeigt den Referenten Dr. Tilman Rentel (2. v.l.) und die MitarbeiterInnen der Weiche Udo Schwager, Angelika Söder und Anna Karg; nicht auf dem Foto Christine Brandt

Kein Raum für Missbrauch! Fortbildung für Kitapersonal

Die Prävention sexuellen Missbrauchs stellt eine große Herausforderung für alle dar, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Meist besteht jedoch eine große Unsicherheit beim Thema Sexualität im Allgemeinen und beim Umgang mit einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch im Speziellen. Aus diesem Grund fand am 15. Mai im Landratsamt Eichstätt eine Fortbildungsveranstaltung für Kita-Leitungen und Kita-Mitarbeiterinnen statt.

Veranstalter war die WEIche, die Fachstelle gegen sexuelle Gewalt im Landkreis Eichstätt. Unter dem Thema "Kein Raum für Missbrauch! Ein sexualpädagogisches Konzept entwickeln und Kinder schützen" kamen über 20 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Krippen, Kindergärten und Horten aus dem Landkreis zusammen. Einen ganzen Tag lang beschäftigten sie sich mit den verschiedenen Facetten der Sexualität, der sexuellen Entwicklung von Kindern, "Doktorspielen" und sexuellen Aktivitäten von Kindern, der Erstellung eines sexualpädagogischen Konzepts und wie man dies alles in der Zusammenarbeit mit Eltern transparent umsetzen kann.

Neben den theoretischen Inhalten, die von den beiden Mitarbeiterinnen der WEIche, der Sozialpädagogin Anna Karg und der Psychologin Angelika Söder, dargestellt wurden, war auch viel Zeit für einen anregenden Austausch untereinander. So entstanden intensive Diskussionen über die Art und Weise, wie man Sexualpädagogik bereits im Kleinkindalter altersangemessen gestalten kann und wie das pädagogische Personal selbst mit Nacktheit und Sexualität umgeht. Vor allem durch die vielen Praxisbeispiele der Teilnehmerinnen und der Referentinnen konnten alle Anwesenden wertvolle Erfahrungen und Tipps für ihre Arbeit mitnehmen. Als positive Erkenntnis stellten die Teilnehmerinnen zum Schluss fest: "Die Veranstaltung gibt Sicherheit, und es ist hilfreich zu wissen, dass man nicht alleine dasteht".